Wiener Kaffeehaus

Das traditionelle Wiener Kaffeehaus

 

An der heutigen Adresse Rotenturmstraße 14 wurde im späten 17 Jahrhundert das erste Wiener Kaffeehaus eröffnet. Bei der beliebten Erzählung, dass sich nach Ende der Zweiten Türkenbelagerung Säcke mit seltsamen Bohnen fanden, die verbrannt werden sollten, und man so auf Kaffee stieß, ist übrigens eine Mär.

Der Anklang des Kaffees bei den Wienerinnen und Wienern ist indes unbestritten. Bereits im frühen 19. Jahrhundert gab es über 150 Kaffeesieder, um 1900 bereits 600 Kaffeehäuser. Heute dürfte es um die 1.000 Kaffeehäuser geben (Hauptbetriebe und Filialen zusammen), die Fachgruppe Wien der Wirtschaftskammer gibt sogar an, mehr als 2.200 Mitgliedsbetriebe zu vertreten.

Aber warum wurde das traditionelle Wiener Kaffeehaus zu einer Einrichtung, die ihresgleichen auf der ganzen Welt sucht?

Erstmal lieben die Wiener ihren Kaffee – egal, ob sanfte Melange, kräftiger Mokka oder die Laune hebender Mozart Kaffee. Und im Gegensatz zu anderen gastronomischen Einrichtungen ist es im Wiener Kaffeehaus durchaus üblich, bei einer – auch kleineren Bestellung – stundenlang sitzen zu bleiben. Dazu liegen traditionell Tageszeitungen (mitunter im stilechten Zeitungshalter) auf, die kostenlos zum Lesen bereitgestellt werden. Das ganze Ambiente lädt zum geselligen Austausch ein. Kein Wunder, dass ein beachtlicher Teil von Wiens Geschäftsleben und kulturellem Diskurs traditionell in eben diesen Kaffeehäusern stattfindet.

Zweites Wohnzimmer und erstes Arbeitszimmer

 

Das geht so weit, dass sogar für Künstler wie Stefan Zweig, Peter Altenberg, Arthur Schnitzler, Friedrich Torberg, Hugo von Hofmannsthal, Alfred Polgar, Karl Kraus oder Hermann Broch der Begriff der „Kaffeehausliteraten“ geprägt wurde, da ihre bevorzugte Stätte des Schaffens im Café war.

Aber auch andere klingende Namen, die Wien prägten, hatten mit dem Kaffeehaus nicht nur ein zweites Wohnzimmer, sondern auch ein erstes Arbeitszimmer: Egon Schiele, Gustav Klimt, Oskar Kokoschka, Adolf Loos, Theodor Herzl oder Siegfried Marcus.

Für Gäste, die sich eher zerstreuen möchten, wird im Kaffeehaus traditionell Billard gespielt, oder es werden zeitgemäße Alternativen geboten: Im Wiener Traditions-Kaffeehaus Hummel im Herzen der Josefstadt etwa werden in der eigenen Sportsbar Fußballspiele, die es sonst nur im Pay-TV zu sehen gibt, auf Big Screen live gezeigt. (Tipp: Hier können Sie reservieren https://cafehummel.at/kontakt/ )

Genauso einzigartig wie die Kultur der traditionellen Wiener Kaffeehäuser ist auch die Gattung der dort arbeitenden Kellner. Ein echter Wiener Kaffeehauskellner trägt zumindest dunkle Anzugweste, wenn nicht einen ganzen Anzug, gerät niemals aus der Ruhe und gibt den Gästen gleichzeitig das Gefühl, willkommen zu sein, aber auch – in Ruhe gelassen zu werden.